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17 Prozent Exportüberschuss bei Strom im ersten Halbjahr 2011

Das Statistische Bundesamt hat nun endgültig belegt, dass das Horrorszenario vom Atomstromimport aus Frankreich und Tschechien nicht wahr geworden ist. Ganze 17 Prozent beträgt der Exportüberschuss gegenüber dem Stromimport im ersten Halbjahr 2011. Und das nach der Abschaltung von bereits acht AKW.

So konnten fast 28 Terawatt-Stunden* exportiert werden, meist nach Österreich und in die Schweiz. 24 Terawatt-Stunden wurden dagegen importiert. Darüber hinaus konnte das Ökoinstitut bereits im April nachweisen, dass der importierte Strom meist kein Atomstrom sei, sondern von anderen Energieträgern gedeckt wird.

Auch mit dem Abschalten der anderen Atommeiler in den kommenden Jahren wird der Stromimport von ausländischen AKWs nicht notwendig sein, da das Wachstum der Erneuerbaren Energien beschleunigt weitergehen wird. Allein in im ersten Halbjahr 2011 stieg der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbauch von 17 auf nun 20,8 Prozent.

Damit ist das Argument widerlegt worden, dass das Abschalten deutscher Atomkraftwerke Deutschland zum Atomstromimporteur macht.

*1 Terawatt = eine Billion Watt

Der Atomausstieg auf Bundesebene

Am 8. Juli beschließt der Bundesrat über den Atomausstieg. Lichdi hatte in einer Rede im Landtag die ablehnende Haltung der CDU auf's Korn genommen.

Zur Vorbereitung des GRÜNEN Sonderparteitags hatte Johannes Lichdi einige Fragen formuliert. Er sieht den schwarz-gelben Atomausstiegsplan kritisch und hat am 25. Juni in Berlin dagegen gestimmt. Entscheidend ist der konkrete Beschluss, welche die GRÜNEN als einzige Partei in breiter Diskussion getroffen haben. Darin heißt es unter anderem:

"Wir wissen: Der Atomausstieg ist bis 2017 seriös umsetzbar. Wir werden daher die Bundestagswahl 2013 zu einer Abstimmung über eine beschleunigte Energiewende machen. Im Falle einer GRÜNEN Regierungsbeteiligung werden wir die Rahmenbedingungen so ändern, dass das letzte AKW noch deutlich vor 2022 abgeschaltet wird."

Hier auf der Seite der Bundestagsfraktion der GRÜNEN gibt es eine Kompaktargumentation und eine Auflistung (fast) aller ihrer über 30 Inititiaven, Gesetzentwürfe, eigenständigen Anträge, Entschließungsanträge und Änderungsanträge, die sie in die parlamentarischen Verhandlungen der letzten Wochen und Tage zum Energiegesetz eingebracht hat.

Was Schwarz-Gelb konkret plant: Die neuen Gesetze

Hier sind die von der Bundesregierung beschlossenen Entwürfe der Gesetze und Verordnungen zum Atomausstieg sowie eine Übersicht. Die einzelnen Texte umfassen insgesamt rund 700 Seiten. Themenseite

Johannes Lichdi: Deutschland bleibt Stromexporteur

Zu den Behauptungen, wegen der Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke müsse Deutschland massiv Strom importieren und ohne Atomstrom wäre die Versorgungssicherheit gefährdet, erklärt Johannes Lichdi:

"Mit einem Exportüberschuss von jährlich bis zu 22 Milliarden Kilowattstunden ist Deutschland einer der größten Stromexporteure Europas. Dazu kommt eine ungenutzte Kraftwerksreserve von 13.200 Megawatt – die sieben ältesten AKW plus das AKW Krümmel haben eine Maximalleistung von 8.400 Megawatt. Auch ohne Atomstrom bleiben alle Lichter an." 

Er führt aus: "Strom wird europaweit gehandelt. Wie an der Börse wird Strom je nach Preis stündlich eingekauft oder verkauft. Deutschland importiert zum Beispiel Strom aus Frankreich oder Dänemark, exportiert dafür in die Schweiz, nach Polen, Österreich oder in die Niederlande. Unter dem Strich bleibt immer: Deutschland exportiert mehr Strom als importiert wird."

Lichdi ergänzt: "Die Atomkraft trägt immer weniger zur Energieversorgung bei. Der Atomstromanteil sank im Zeitraum 2000 bis 2009 von 29 auf 22 Prozent. Und auch ohne Atomstrom wird kräftig Strom exportiert: Im Jahr 2007 standen zeitweise sechs AKW still und trotzdem wurden 20 Milliarden Kilowattstunden exportiert. Aktuell würden mit oder ohne Moratorium drei der sieben ältesten AKW wegen Wartungsarbeiten keinen Strom liefern." Deutschland verfüge über große Überschüsse im Kraftwerksbereich, die schon heute ausreichen, die Atomkraft fast vollständig zu ersetzen und immer noch Strom in andere Länder zu exportieren. Die Profitinteressen der Konzerne dürften der Bundesregierung nicht länger wichtiger sein als die Sicherheit der Menschen.

Lichdi resümiert: "Das Horrorszenario der Energiekonzerne ist nichts anderes als der Versuch, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Die Schrottreaktoren sollen als unverzichtbar für die Energieversorgung dargestellt werden. Die Fakten sprechen eine andere Sprache."

Hintergrundpapier zur Lüge von der Stromlücke

Import und Export

Selbst nachschauen, wo gerade der Strom fließt: Website mit stundenaktueller Übersicht der Exporte und Importe.

Unsere "Grüne Ausbaustudie" zeigt: 2020 könnte Sachsen zu mehr als 80 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden!

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