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Donnerstag, 21. Juni 2012

PM 2012-195: Blockadeprozesse: Strafverfolgung von Platzbesetzungen in Dresden

Lichdi

"Für BürgerInnen und Bürger ist es in Dresden gefährlicher gegen Nazis zu protestieren, als an anderen Orten in Sachsen. Friedliche Platzbesetzer sind in Dresden offenbar eher Strafverfolgung ausgesetzt, als anderswo", bewertet Johannes Lichdi, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, die Antwort der Staatsregierung auf seine Kleine Anfrage (Drs. 5/9174).

"Während sich die über 100 Personen, die als friedlichen Protest gegen Nazi-Aufmarsch am 19.02.2011 in Dresden Plätze besetzten mehr als ein Jahr danach weiterhin in Strafverfahren verantworten müssen, wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zu Geldstrafen verurteilt wurden oder Strafbefehle erhielten, wurden die in Chemnitz gegen sog. Blockierer des Nazi-Aufmarsches am 05. März 2011 in nur vier Fällen von der Staatsanwaltschaft Chemnitz eingeleiteten Verfahren zwischenzeitlich endgültig eingestellt, weil so ausdrücklich <<kein Straftatbestand>> (!) erfüllt sei."

"Ich sehe mich durch diese ungleichen Bewertungen sächsischer Staatsanwaltschaften in dem Verdacht bestärkt, dass die Staatsanwaltschaft Dresden politisch motiviert gegen Platzbesetzer durchgreift, um Bürgerinnen und Bürger von dieser Versammlungsform in der Landeshauptstadt abzuschrecken", bewertet Lichdi diesen Sachverhalt.

"Dass 302 Personen, gegen die ein Strafverfahren allein wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet wurde, an das Bundeskriminalamt als politisch motivierte Kriminalität gemeldet wurden und in einer Verbunddatei 'Innere Sicherheit' gespeichert werden, wie es eine weitere Kleine Anfrage ((Drs. 5/9178) ergab, zeigt, dass bürgerlicher Protest in eine kriminelle Ecke gestellt wird."

Hintergrund:
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 Eine Platzbesetzung fällt zumindest unter den Schutzbereich der Versammlungsfreiheit des Art. 8 Grundgesetz. Unter Umständen kann eine Auflösung der Platzbesetzung rechtmäßig und auch eine nachfolgende Räumung unter weiteren Voraussetzungen rechtmäßig sein. Erst dann kommt eine Strafbarkeit in Betracht. Diese Zusammenhänge verkennt die Staatsanwaltschaft Dresden und das Amtsgericht Dresden. Das OLG Dresden hatte jüngst ein erstes Platzbesetzerurteil aufgehoben.